Zeitreise auf der Paris Air Show

Eine Zeitreise

Wir schreiben das Jahr 1969

In einer Zeitungsredaktion sitzen Journalisten gebannt vor dem Fernseher - so wie Millionen von Zuschauern. Als vor 50 Jahren die ersten Menschen auf dem Mond landeten, war die Faszination Weltraum zum Greifen nah.

 

Wir wagen im Rahmen der Paris Air Show einen Blick in die Zukunft und möchten die Geschichten hier mit euch teilen: Ist eine erneute Mondlandung in den nächsten 10 Jahren möglich? Wann werden wir zum ersten Mal auf dem Mars stehen? Gibt es erdähnliche Planeten mit Signaturen des Lebens?

2019: Satellit im All repariert!

Als Weltraumschrott abgeschriebener Satellit geht wieder auf Sendung

 
Er sendet wieder – der totgeglaubte Kommunikationssatellit Tilly. Mit frischer Energiezufuhr überträgt er seit gestern wieder Fernsehsignale zur Erde. Damit wurde erstmals ein verstummter Satellit direkt im All wiederbelebt.

 
Das war ihm nicht in die Wiege gelegt: Als der Satellit im Jahr 2001 seinen Platz im geostationären Orbit einnahm, waren weder Wartung noch Energienachschub vorgesehen. Tilly war ursprünglich eine fünfzehnjährige Laufzeit bestimmt. Nach dieser Frist, so der Plan, sollte der Satellit als Weltraumschrott abgeschrieben werden.

 
Doch dann kam ein Servicesatellit des Wegs – mit einem Solarenergie-Antrieb. Diese himmlische Tankstelle dockte [gestern] automatisch an den Satelliten an, verlieh ihm Schub auf die richtige Erdumlaufbahn und setzte Solarflügel an. Als die sich entfaltet hatten, ging der Satellit wieder auf Sendung. Damit zählt Tilly nicht mehr zum alten Eisen – und wenn ihm nichts in die Quere kommt, kann er für etliche weitere Jahre seinen Dienst verrichten.

2024: Mondstation nimmt Betrieb auf!

Iglus aus Mondstaub binnen Tagen aufgebaut / Nächster Missionsschritt: Boden bereiten für das Radioteleskop

 

Diese Hauseinweihung war einem erlauchten Kreis vorbehalten: Drei Astronautinnen und drei Astronauten waren die einzigen Gäste - was der beschwerlichen Anreise geschuldet ist. Mitgefiebert wurde auf der Erde, und im Mission Control Center klangen die Sektgläser, als die Mondstation LunaSearch ihrer Bestimmung übergeben wurde. Millionen Menschen verfolgten das Ereignis an diesem Montag am irdischen Bildschirm.

 
Der Bau verlief nicht frei von Hürden. Zweimal waren Fehler im 3D-Druckprozess zu beheben, mit dem der Mondstaub zu fertigen Gebäudestrukturen verbacken wurde. Beide Male konnten die Astronauten den Fehler beheben, einmal mit einer mehrstündigen Außenmission, das andere Mal genügte ein Eingriff in die Software. Ansonsten verrichteten die Roboter ihr vollautomatisches Werk reibungslos.

 

Das Stationsgebäude mutet wie eine Ansammlung von Iglus an. Die Wandstrukturen sind an der schattigeren Seite mit Hohlräumen versehen, deren inneres Vakuum die Station gegen die Kälte des Weltraums abschirmt; auf der Sonnenseite nehmen die Steine die Sonnenwärme auf, um sie heizend ins Stationsinnere abzugeben. Das Baumaterial ist Mondstaub, der an den Kontaktstellen aufgeschmolzen und zu einer Art Backstein versintert wurde. Die Energie dazu lieferte die Sonne, deren Strahlen von Sonnenkollektoren eingefangen wurden.

 
Die Konstruktion trägt dem Nachhaltigkeitsanspruch der Europäischen Raumfahrtagentur ESA Rechnung, wonach möglichst nur Materialien verwendet werden, die dem Himmelskörper eigen sind. Um die Station mit Wasser zu versorgen, ist es zudem gelungen, Wassereis von der Mondoberfläche zu gewinnen.

 
Nach Abschluss der Bauarbeiten bleibt der Crew noch Zeit, den Bau des Superteleskops auf der Mondrückseite vorzubereiten. Von dem Radioteleskop erhoffen sich Astronomen nie dagewesene Einblicke in die Tiefen des Universums, ganz ohne atmosphärische Störungen. Die derzeitige Mission endet in einem Jahr, wenn die Astronauten aus Russland, China, den USA, Frankreich, Japan und Indien ihre Ablösung erwarten.

 
Bei der Einweihungsparty der Station, die der gesamten Menschheit dienen soll, wurden übrigens Mondkäse und Cracker gereicht. Und angestoßen wurde mit kleinen Flaschen armenischen Cognacs.

2048: Marslandung geglückt!

Raumfahrerin Anneliese Modi: „Wir können nach den Sternen greifen“

 

Mehr als ein halbes Jahr hat die Welt mitgefiebert mit den vier Astronauten, die sich weiter von ihrem Heimatplaneten entfernt haben als jemals ein Erdenwesen zuvor. Heute nun war es soweit: Astronautin Anneliese Modi hat soeben als erster Mensch den Mars betreten. Mit siebenminütiger Verzögerung erreichte ihr Funkspruch die Erde. „Wenn es uns Menschen gelingt“, erklärte sie aus Anlass ihres großen Schritts für die Menschheit, „zum gegenseitigen Wohl zusammenzuarbeiten, können wir nach den Sternen greifen und neue Horizonte entdecken.“

 
Hinter der 57-jährigen Deutsch-Inderin und ihren drei Raumfahrerkollegen aus China, den USA und Russland liegt eine neunmonatige Anreise durch die Weiten des Kosmos – über eine Entfernung von rund 56 Millionen Kilometern.

 
Ganz komplikationslos ist die Reise nicht verlaufen: Ein Gesteinsbröckchen hatte im zweiten Reisemonat die Außenhaut des Raumschiffs Orion beschädigt. Der Crew gelang es, den Schaden ohne Außenmission zu beheben; der Notfallplan erwies sich als tragfähig. Die überlebenswichtigen Vorräte an Sauerstoff und Wasser blieben unbeschadet.

 
Die Landung zählte zu den größten Unwägbarkeiten der Mission, die nicht arm an neuralgischen Punkten ist. Statt eines Empfangskomitees aus grünen Männchen hielt sich das Mars Ascent Vehicle (MAV) für die Raumfahrer bereit, mit Wasser und Atemluft aus eigener Produktion. Außerdem hatte es schon mal eingeheizt für die eisige Marsnacht bei −85 Grad. Am Tag, der nur etwa eine halbe Stunde länger als ein Erdentag dauert, erreichen die Temperaturen in dieser Marsgegend nahe des Äquators menschenfreundliche 20 Grad Celsius.

 
Das robotische MAV-Fluggerät, das in der Vorbereitungsmission den Mars erreicht hatte, gewinnt Treibstoff aus der Marsatmosphäre. Wäre das nicht gelungen, hätte die Mission nicht stattfinden können: Das MAV soll die Crew nach 500 Tagen zurück auf ihr Raumschiff Orion bringen, und bis dahin muss es vollgetankt sein und der Treibstoff gekühlt werden. Das Raumschiff zieht derweil auf einer Marsumlaufbahn in Wartestellung seine Bahnen.

 
In den kommenden Monaten wird die Crew mit Forschungsarbeiten beschäftigt sein. Schwerpunkt der Mission ist die Suche nach derzeitigem oder vergangenem Leben auf dem roten Planeten. Wenn  sich Erde und Mars wieder so weit angenähert haben, dass der Rückflug möglich ist, soll das MAV abheben – womit erstmals ein menschliches Fluggerät von einem fremden Planeten starten würde.

2095: Wir sind nicht allein – vielleicht

Signatur des Lebens, 42 Lichtjahre entfernt: Planet mit flüssigem Wasser, Sauerstoff, Methan und klimatischen Bedingungen fast wie auf der Erde entdeckt

 

Ein erdähnlicher Planet mit Signaturen des Lebens – darauf stießen Astronomen in der vergangenen Woche bei Untersuchungen mit dem Nachfolger des WEBB-Weltraumteleskops. Spektroskopische Analysen ergaben Vorkommen an flüssigem Wasser, Sauerstoff und Methan. Der Planet mit dem poetischen Namen HDJD37 wurde im Sternbild Schlangenträger entdeckt, wo er um einen roten Zwerg kreist.

 
„Wir können nicht mit letzter Gewissheit sagen, dass es auf dem Planeten Leben gibt“, erklärte eine Sprecherin der Mission, „aber die chemischen Eigenschaften der Atmosphäre dort lassen sich voraussichtlich nicht allein geologisch erklären.“

  
Sauerstoff in diesen Mengen, der sich in der Atmosphäre hält, mache lebendige Strukturen wahrscheinlich. Das gilt auch für Methan, das entsteht, wenn organische Materialien unter Luftabschluss verrotten. Zudem deuten die bisherigen Temperaturberechnungen auf klimatisch milde, möglicherweise tropische Verhältnisse hin. Der Planet sei vulkanisch stark aktiv, ähnlich wie die Erde in jenen Zeiten, da sich höhere Lebensformen herausgebildet haben.

 
Weitere Untersuchungen mit Hochleistungsteleskopen sollen nun Gewissheit bringen. Leider ist Hinfliegen und Nachschauen keine Option: Die entdeckte Welt ist 42 Lichtjahre entfernt. Das macht – nach heutigem Stand der Technik – eine Reisedauer von rund 180.000 Jahren. Wie weit unsere Zivilisation oder eine mögliche dortige es bis dahin gebracht haben würden, wäre vollkommen ungewiss. Falls man es jedoch jemals schaffen würde, auf HDJD37 zu landen, hätte man viel Zeit: Der Tag hat dort 38 Stunden.

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